EFA-Geschäftsführer Dr. Johannes R. Gerstner über den gerade zu Ende gegangenen Zukunftsworkshop am Umweltforschungszentrum in Leipzig und letzte Chancen für die Branche

K&K: Herr Dr. Gerstner, der von der Europäischen Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft veranstaltete Zukunftsworkshop vom 28. Juni beschäftigte sich – mal wieder – mit dem leidigen Thema Feinstaub. Ist es denn nicht irgendwann mal auch gut damit? Oder warum wärmt man das immer wieder auf.

Johannes Gerstner:
Gar nix ist gut. Und genau das ist das Problem. Aktuell sind wir mit einem riesigen Problem konfrontiert. Durch das künstlich geschaffene Austauschgeschäft und vorgezogene Investitionen brummt der Markt für die Feuerstätte und alles außen herum. Die Zahlen auf den Konten sind so gut wie schon lange nicht mehr. Ein Hersteller meinte neulich sogar zu mir, er käme „vor Lachen nicht mehr in den Schlaf“. Ich würde an seiner Stelle aus anderen Gründen nicht mehr in den Schlaf kommen.

K&K: Welche wären das?

Johannes Gerstner:
Das Thema Feinstaub ist noch präsenter als in den Jahren zuvor – wir sehen es nur nicht. Die Holzfeuerung führt die Hitparade der menschenverantworteten Feinstaubquellen an. Die Politik ist mit gestiegenen Grenzwerten konfrontiert. Und wir als Branche reagieren wie immer: spät und zögerlich.

K&K: Was fürchten Sie?

Johannes Gerstner:
Ich fürchte, das wir als Branche es versäumen, rechtzeitig vorzusorgen. Es ist nicht wahr, dass wir ewigen Bestandsschutz haben und uns mit irgendwelchen Anscheinsaktiönchen über den Durst retten können. Ich fürchte konkret, dass eine neue Bundesregierung vollstreckt, was längst offensichtlich ist. Die Holzfeuerung als leichtes Opfer für die Politik zu sehen und sich damit frühzeitig umweltpolitisch zu profilieren. Wir haben bereits in der Vergangenheit gesehen, dass Technologien schnell verschwinden, wenn es die Politik möchte. Und die Vertreter der Technologie es nicht verstehen, sich zu wehren.

K&K: Aber wehrt sich die Branche nicht bereits?

Johannes Gerstner:
Und genau das ist das Problem. Wir werden als zerspalten wahrgenommen. Einzelne wollen Handwerk und Industrie gegeneinander ausspielen. Ich garantiere Ihnen: Wenn der eine stirbt, geht der andere mit. Wir wehren uns aktuell nur mit aggressivem Leugnen und egoistischen Einzelaktionen.

K&K: Was empfehlen Sie denn der Branche?

Johannes Gerstner:
Dialog und Innovation – das sind die einzigen zwei Maßnahmen, mit denen wir unsere Jahrtausende alte und wunderbare Technologie für die folgenden Generationen bewahren können. Wir müssen als Gesamtbranche mit Umweltorganisationen wie der Deutschen Umwelthilfe sprechen und innovative Lösungen anbieten. Wir müssen der Politik gemeinsam zeigen, dass wir die Lösung für eine umweltgerechte und klimafreundliche Zukunft haben. Wir dürfen uns das Thema Umweltfreundlichkeit nicht von einer unrealistischen Lifestylepolitik wegnehmen lassen. Wir dürfen uns nicht in Einzelaktionen nach dem Motto „Weiter so, denn wir sind die Besten“ verlieren. Das beruhigt vielleicht unser eigenes Gemüt, droht aber unsere Branche für immer zu zerstören.

K&K: Das klingt ja alles schön und gut, aber konkreter haben Sie es nicht?

Johannes Gerstner:
Doch. Wir müssen sehr kurzfristig zeigen, dass wir das Problem Feinstaub adressieren. Das schaffen wir mit einem brancheneinheitlichen Quick-User-Guide, der den Nutzer über den umweltfreundlichen Betrieb aufklärt. Dann brauchen wir eine valide und gut aufbereitete Faktengrundlage über alle ökologischen, ökonomischen, gesundheitlichen und sozialen Aspekte der Holzfeuerung. Diese müssen wir in einer gemeinsamen Branchenkommunikation verwerten und an Politik, Umweltorganisationen und die Öffentlichkeit bringen. Und wir brauchen technische Lösungen zur Feinstaubreduktion, die marktreif, bezahlbar und in großen Mengen sehr schnell unsere Produkte „feinstaubdiskussionssicher“ machen.

K&K: Was hält Sie davon ab, genau diese Projekte umzusetzen?

Johannes Gerstner:
Ich bin Geschäftsführer des kleinsten Verbandes in der Branche. Wir sind größtenteils Ehrenämtler, unser Budget ist lächerlich im Vergleich zu anderen. Die EFA ist aber gerne bereit, sich an gemeinsamen Aktionen zu beteiligen und sich aktiv in die Rettung der Branche einzubringen. Wir haben gute Kontakte und politischen Verstand, den wir unbedingt zur Rettung der Branche einsetzen wollen. Jeder, der eine Idee hat, sich beteiligen möchte oder unseren Kampf unterstützen will, kann mich kontaktieren, eine E-Mail an johannes.gerstner@efa-europe.com reicht. Egal, ob es sich um eine technische Innovation zur Feinstaubreduzierung handelt oder eine tolle Idee zu einer Aktion. Ach so, über einen Mitgliedsantrag könnte man bei der Gelegenheit natürlich auch sprechen!

K&K: Herr Dr. Gerstner, vielen Dank für das Gespräch.

Johannes R. Gerstner
ist Experte für Kommunikation und Public Affairs und seit März 2019 Geschäftsführer des Verbandes Europäische Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft (EFA e.V.) mit Sitz in Berlin.